Kurz vor dem Rückbau wurde die ehemalige Mosterei in Egnach noch einmal belebt. Das Resultat war eines der grössten kulturellen Zwischennutzungsprojekte der Ostschweiz.
Tankkeller
Wie (re-)aktiviert man mit Kultur einen Ort und eine Gemeinschaft?
- Kunde
- Verein Kerngehäuse
- Branche
- Kultur, Zwischennutzung und Ortsentwicklung
- Dimension
- 225 Kulturschaffende, über 5000 Besucherinnen und Besucher
Ausgangslage:
Mitten im Dorfkern von Egnach stand eine ehemalige Mosterei. Über Generationen wurden hier Äpfel und Birnen verarbeitet. Das Gebäude war für viele Menschen Teil ihrer persönlichen Geschichte und gleichzeitig ein Symbol für den Wandel der Region.
Vor dem geplanten Rückbau entstand die Idee, diesen Ort ein letztes Mal zu beleben. Nicht mit einer Abschiedsfeier, sondern mit einer kulturellen Zwischennutzung. Die ehemalige Mosterei sollte für kurze Zeit wieder zum Treffpunkt werden. Ausgeschöpft werden sollte das Potenzial, das in einem solchen Ort steckt.
Fragen:
Wie bringt man Menschen an einen Ort, den viele längst aufgegeben haben?
Wie wird aus einer Industrieanlage ein kultureller Begegnungsort?
Wie verbindet man zeitgenössische Kunst mit der Bevölkerung?
Und wie kann Kultur dazu anregen, sich über die Zukunft eines Dorfes Gedanken zu machen?
Soma Wonglamdab
und Imma Caretta
Lösung:
Gemeinsam mit dem Verein Kerngehäuse entwickelte ich mit Soma Wonglamdab und Imma Caretta Studentinnen der ZHdK die Marke Tankkeller und bauten eine umfassende Kommunikationsplattform auf. Website, Newsletter, Pressearbeit, Crowdfunding, Beschilderung, Führungen und sämtliche Kommunikationsmittel wurden als Teil einer gemeinsamen Geschichte gedacht.
Die Historie des Orts wurde dabei zum Ausgangspunkt. Die ehemaligen Produktionsräume erhielten neue Bedeutungen. Aus dem Gärkeller wurde ein Ausstellungsraum, aus dem Tanklager eine Bühne, aus der Mosterei ein Raum für Begegnungen, Diskussionen und Kultur.
Während dreier Monate bespielten elf Künstlerinnen und Künstler die riesigen Kellerräume mit ortsspezifischen Installationen. Ergänzt wurde dies durch Konzerte, Lesungen, Performances, Führungen und ein Bistro, in dem die Gäste regionale Produkte geniessen konnten. Kunst, Kulinarik und Gemeinschaft wurden bewusst miteinander verbunden.
Wirkung
Der Tankkeller entwickelte sich zu einem der grössten kulturellen Zwischennutzungsprojekte der Ostschweiz. Über 5000 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg nach Egnach. 225 Kulturschaffende wirkten schliessich am Projekt mit. Mehr als 30 Medienberichte sorgten für eine weit über die Region hinausreichende Aufmerksamkeit.
Zentral waren jedoch die unerwarteten Begegnungen. Der Tankkeller brachte Menschen zusammen, die sonst kaum aufeinandergetroffen wären: Kunstschaffende, Landwirte, Gewerbetreibende, Vereine, Familien, Politikerinnen und Politiker. Für kurze Zeit war die Mosterei wieder das Zentrum des Dorfs und Ausgangspunkt für Gespräche über die Zukunft des Gemeinschaft.
Anekdote
Die Menschen kamen nicht nur wegen einer Ausstellung. Sie kamen, um einen Ort nochmals zu erleben, der Teil ihrer eigenen Geschichte war.
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